Neuendorf

Zur ehemaligen Gemeinde Neuendorf gehörten die Ortschaften Neuendorf, Wüsteney, Wüst Eldena, Prützmannshagen und Behnkenhagen. 

Die Landschaft ist gekennzeichnet durch große Ackerflächen mit zahlreichen Söllen und Wasserlöchern. Ein größeres Grünlandgebiet zieht sich, einem Bachlauf folgend, von Behnkenhagen nordwärts in die Ryckniederung. Ein kleines Waldgebiet, das Heidenholz, liegt im nordwestlichen Bereich der Gemeinde. Man kann davon ausgehen, dass die Neuendorfer Scholle von niederdeutschen Ansiedlern gerodet und urbar gemacht wurde. Als "neues Dorf" ist es nach 1250 von niederdeutschen Kolonisten angelegt worden. Aus einer Urkunde vom 12. Juli 1276 geht hervor, dass Fürst Wizlaw II. von Rügen dem Kloster Ivenack das Dorf Neuendorf im Lande Loitz schenkt. Der Ort ist mit "Niendorp" benannt. 1337 fiel das Dorf an die Greifswalder Familie Letzendz. Neuendorf gehörte laut Bederegister von 1343 dem Kirchspiel Groß Bisdorf an (25 Hufen, Greifswalder Bürgerrecht). Thomas Katzow, 1533 Vikar in Groß Bisdorf, führte mit anderen die Reformation in Pommern ein. 1648 fiel die Region an Schweden. 1677, während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges, wurde Neuendorf zerstört. Nach Ende dieses Krieges lebten nur noch zwei Bauernfamilien im Ort. Dieser Zustand änderte sich erst 1684. 1720 hatte Neuendorf wieder einen kleinen Wohlstand erreicht. Neuen wirtschaftlichen Aufschwung gab es mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Greifswald - Grimmener - Eisenbahn, welche durch den Preußenkönig 1895 genehmigt wurde. Der erste Zug fuhr 1896, der letzte 1945. Nach Beendigung des I. Weltkrieges pflanzten die Neuendorfer eine Linde, in Hoffnung auf Frieden. In der Chronik steht, dass es in der Neuendorfer Region viele Windmühlen gab, welche nach und nach stillgelegt und abgebaut wurden. Auf Neuendorf hatte die Bodenreform 1945 keine direkten Auswirkungen, da das Neuendorfer Vorwerk im Jahre 1905 von der Rentenbank gekauft und in 21 Rentenstellen aufgeteilt wurde und es sich bei dem Ort um eine Altbauernsiedlung handelte. 1955 wurde die Verbindungsstraße Grimmen - Neuendorf - Greifswald gebaut und die Infrastruktur damit verbessert. Der Dorfkern ist sehr schön an einem Bachlauf gelegen. In dem kürzlich erschlossenen Wohngebiet entstehen zur Zeit Wohnhäuser. Für die jüngsten Neuendorfer befindet sich eine Kindertagesstätte in Neuendorf. Eine kleine Gaststätte lädt seit 1996 zum Verweilen ein.

Wüsteney, die nach Otto Wostenye benannte Siedlung, entstand in den Jahren 1320/25. Dies lässt sich mit einer Urkunde, die vom Rügenfürsten Wizlaw III. gezeichnet wurde, bestätigen. Das Geschlecht stammte aus Hinterpommern und starb 1546 aus.

Aus einem Bederegister von 1343 kann man entnehmen, dass Wüsteney zum Kirchspiel Sassen gehörte und 28 Hufen groß war. Wüsteney war zu der Zeit ein Dorf mit 5 Rittersitzen und gehörte zur Vogtei Loitz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort völlig verwüstet. Vor dieser Entvölkerung lebten hier 12 Bauern. 1648 wurde der Ort nach Groß Bisdorf gepfarrt. 1686 fiel das Dorf an Sassen zurück und hatte 1705 die alte Anzahl an Höfen. Unter der schwedischen Verwaltung wurde Wüsteney Adelsbesitz, blieb somit Rittergut. 1927/28 wurde das Rittergut mit der Landgemeinde Behnkenhagen vereint. Die Kapellenruine wird heute gelegentlich von der Laienspielgruppe für Theateraufführungen genutzt.

Gegründet wurde "Eldenow" höchstwahrscheinlich von slawischen Stämmen, welche im 7. Jahrhundert in diese Region einwanderten und die Niederungsgebiete oder Ränder von Flussläufen für ihre Siedlungszwecke nutzten. Deutsche Siedler mieden diese Stellen. Erste urkundliche Erwähnung des Ortes war im Jahre 1323. Johann de Gristow verpachtete die Siedlung an die Stralsunder Brüder Papenhagen. Johann de Gristow war direkter Nachfahre von Rügenfürst Jaromar I. und die Familie war reich in der Gegend begütert, so in der Vogtei Loitz die Burg Gristow und in Eldena mit dem festen Schloss Ekberg. Um beide Befestigungsanlagen liegt ein Schleier von Geheimnissen, da sie bei Streitigkeiten der Familie mit Greifswald von diesen zerstört wurden. 1326 wurde das Dorf von Wartislaw IV. tauschweise an den Greifswalder Bürger H. Lange übereignet. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister, zwischen 1338 - 1349, verschenkte oder verkaufte er Eldena an die Stadt Greifswald. Im 15. Jahrhundert befand sich der Besitz bei der Familie Gorslaw aus Greifswald. Nach dem Dreißigjährigen Krieg unter schwedischer Verwaltung wurde der Ort martrikuliert. Nach dieser Landvermessung 1697 heißt es: "...dass Eldenow ein Bauerndorf, bestehend aus 9 Höfen und einer Kapelle war..." Während des nordischen Krieges wurde Eldena zerstört und heißt seitdem Wüst Eldena. Später wurde der Ort nicht wieder als Dorf, sondern als Vorwerk aufgebaut. Die Kapelle wurde 1712 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Von 1841 bis 1945 verpachtete die Stadt Greifswald ihr Gut an mehrere Pächter. Der letzte Pächter 1912 -1945 war Jürges, der viele neue Wohnungen und Wirtschaftsgebäude errichten ließ. 1927 wurde Wüst-Eldena mit der Landgemeinde Neuendorf vereint. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gut während der Bodenreform an die Neusiedler aufgeteilt.

Prützmannshagen und Behnkenhagen wurden um 1343 von deutschen Siedlern gegründet. Prützmannshagen ist ein altes Gutsdorf, wobei die Wohnhäuser des Ortes weit voneinander entfernt liegen. Behnkenhagen ist ein Bauerndorf. Sehenswert sind die alte Schule sowie mehrere Gehöfte mit Fachwerk und Krüppelwalmdach, die meist zwischen 1800 und 1900 erbaut wurden.